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Terminologiequalität aufrechterhalten

Wie oft wird über die Bäume aber nicht über den Wald nachgedacht? Mit der Terminologie ist es nicht anders. Im Terminologieleitfaden stehen gute und sinnvolle Regeln für die Schreibweise deutscher Komposita, für das Erstellen von Definitionen oder für die Festle­gung von Verwendungsattributen. Was jedoch oft fehlt, sind Regeln und Methoden für die Sicherung der Qualität und Konsistenz des Terminologiebestands insgesamt.

In der Aufbauphase einer Firmenterminologie spielen sprachliche oder technische Kriterien für die Erfassung einzelner Begriffe oder Be­nennungen die Hauptrolle. Nach einer Weile treten sie allerdings in den Hintergrund, so­bald die Hauptbeteiligten an der Terminolo­giearbeit die Basisregeln verinnerlicht haben. Mit dem Anwachsen des Terminologiebe­stands und mit der Erweiterung der Nutzer­gruppen treten dafür andere ganzheitliche Problempunkte in den Vordergrund, die mehr die innere Konsistenz der Daten, die konkre­ten Verwendungssituationen und die Zielgrup­pengerechtigkeit der Terminologie betreffen. Im Einzelnen geht es um folgende Aspekte:

  1. Erkennung von Synonymen, Homonymen und von neuen bzw. veralteten Bedeutungen.
  2. Sicherstellung der Benennungskonsistenz. 3. Multilingualer Abgleich der Begriffe und Begriffssysteme.
  3. Einheitliche Handhabung, Vollständigkeit und Widerspruchslosigkeit der verschie­denen Datenfelder.
  4. Zielgruppengerechte und zweckmäßige Metadaten und Ansichten.

Wenn eine gewisse kritische Masse an Be­griffen und Benennungen erreicht ist, wächst gleichzeitig die Chance, dass dabei unerkannt Synonyme oder Homonyme in die Terminolo­giedatenbank aufgenommen wurden. Leicht abweichende Schreibvarianten oder morpho­logische Varianten wie "Dichtungsring" und "Dichtring" sind noch relativ leicht zu erkennen. Schwieriger wird es, wenn es sich um komplett unterschiedliche Benennungen handelt, die man allerdings mithilfe öffentlich zugänglicher Wörterbücher noch identifizieren kann. Und ganz schwierig ist es letztendlich, wenn nur Kenntnisse des Unternehmensjargons oder detailliertes Produktwissen das Erkennen ei­nes Synonyms ermöglichen. Woher soll z. B. ein Terminologe wissen, dass für einen bestimmten Automobilhersteller die Benennungen "Erste- Hilfe-Set" und "Verbandtasche" synonym sind?

In ähnlicher Weise ist das Aufspüren von Homo-nymen nicht immer einfach. Das Grundprinzip begriffsorientierter Terminologien besteht darin, dass ein Begriff eine Grundbedeutung darstellt. Durch den regelmäßigen Einsatz und die Er­weiterung eines Terminologiebestands kommt es aber immer wieder vor, dass der gedachte Begriff eigentlich zwei oder mehr Bedeutungen abdeckt. "Aufnahme" wird auf einmal nicht mehr ausschließlich für das aufnehmende Ma­schinenteil eines Werkstücks, sondern auch im Sinne eines Aufzeichungsvorgangs verwendet. In solchen Situationen soll der Terminologie­kreis die Begriffe trennen und nach Möglichkeit Alternativbenennungen für einen der getrenn­ten Begriffe suchen. Diese Entwicklung beein­flusst ebenfalls die Verknüpfung zwischen Be­griffen, die regelmäßig überprüft werden muss.

Es gibt leider kein Patentrezept für das au­tomatische Aufdecken unerkannter Syno­nyme bzw. Homonyme. Die Untersuchung vorhandener Datenbestände aus Redakti­onssystemen oder Translation-Memorys kann manchmal mithilfe einer Konsistenzanalyse deutscher Sätze bzw. deren Übersetzungen Hinweise liefern. Ebenfalls kann es nützlich sein, Benennungslisten nach deren Endun­gen zu sortieren ("Schlepperventil" und "Trak­torventil" haben dieselbe Endung) oder nach Homonymen in Fremdsprachen zu suchen (EN: "brush" für DE: "Pinsel" und "Bürste"). Verwendungsstatistiken können veraltete Be­nennungen oder Begriffe ausfindig machen, besonders wenn sie zeitraumbezogen sind.

Mit der wachsenden Anzahl an Benennungen im Deutschen wie in den Fremdsprachen steigt das Risiko von sprachlichen und semantischen Inkonsistenzen. Während beispielsweise in einer Terminologie Komposita die Entfernung immer mit "Abstand" ("Abstandring") angeben, taucht auf einmal die Benennung "Distanzsen­sor" auf. Ähnliches gilt für die Fremdsprachen.

Bei mehrsprachigen Begriffssystemen ist es nicht außergewöhnlich, dass eine Sprache den Begriff etwas breiter oder enger auslegt. Manche Sprachen setzen für die Vermittlung von Informatio­nen mehr auf den Kontext während andere mehr in die einzelnen Begriffe packen. So kann man aus einem einzelnen chinesischen Wort nicht erkennen, ob es sich um Einzahl oder Mehrzahl handelt. In vielen Fällen enthalten Terminologien keine Information darüber, worin die Begriffsun­terschiede liegen, was in manchen Situationen eine entscheidende Rolle spielen kann.

Viele Terminologiebestände behandeln Attri­bute und Metadaten stiefmütterlich, weil Zeit und Budget fehlen, um sie ordentlich zu befül­len und zu pflegen. Wichtig sind in erster Linie Aspekte, die den korrekten Einsatz der Ter­minologie unterstützen. Wenn beispielsweise Synonyme für einen Begriff vorkommen, dann braucht der Nutzer Verwendungsattribute, um entscheiden zu können, welche Variante er ein­setzen soll. Auch die Widerspruchslosigkeit der Attribute ist wichtig. Eine Benennung darf nicht gleichzeitig den Status "nicht geprüft" und die Verwendung "erlaubt" haben. Ferner gehört zur Datenpflege, dass dieselben Informationsty­pen einheitlich behandelt und richtig zugeord­net werden. Ein weiterer Punkt ist das Prüfen der Attribute auf formale Fehler (z. B. abwei­chende Schreibweisen oder Varianten wie "Ver­boten", "verboten", "forbidden", "deprecated"), die durch den Import von Listen neuer Termini in eine Datenbank vorkommen können.

Schließlich soll die Qualitätskontrolle sicher­stellen, dass die Metadaten Informationen be­rücksichtigen, die für neue Nutzergruppen rele­vant sind. Mit dem Erfolg und der Verbreitung der Terminologiearbeit kommen neue Anwen­der hinzu, die eigene Anforderungen an die Ter­minologie haben und sie für bestimmte Zwecke einsetzen möchten, etwa für den Vertrieb oder für den technischen Support. Da diese Infor­mationen in der ersten Aufbauphase einer Fir­menterminologie nicht vorhanden waren, muss man sie im Nachhinein einpflegen. Das kann auch dazu führen, dass neue Attributfelder be­nötigt werden. Weil mit der Zeit die Anzahl der Sprachen und Informationen in einem Termino­logiebestand überhand nehmen können, ist es gleichzeitig empfehlenswert zu überlegen, ob alle Nutzer wirklich alle Informationen sehen müssen. Daraus können Gruppenansichten entstehen, eine Funktion, die aber nicht alle Terminologieverwaltungssysteme anbieten.

Sehr hilfreich für die Gesamtpflege eines Terminologiebestands ist die Möglichkeit, die Daten nach anderen Applikationen wie Excel zu exportieren, um mithilfe von Funktionen, Makros und Filtern Problemfälle zu entde­cken und zu korrigieren. Nur wenige Termino­logieverwaltungssysteme, wie das von D.O.G. entwickelte Terminologieverwaltungssystem LookUp, unterstützen den fehlerfreien Ab­gleich und Reimport aktualisierter Daten.

Wir leben in einer Zeit, in der Redakteure und Übersetzer Inhalte zunehmend wiederverwen­den. Um Zeit und Kosten zu sparen, werden nicht selten diese Inhalte unbesehen wie­derverwendet. Wenn die darin vorkommende Terminologie unzureichend geprüft ist, kann es leicht geschehen, dass die Daten fehler­hafte oder missverständliche Informationen enthalten. Man ist daher gut beraten, die hier skizzierten Aspekte der Terminologiepflege nicht dem Zufall zu überlassen und in einen Standardprozess einzubinden.

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