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Kategorie: Diverse



Schlanke Prozesse

"Wer soll das bezahlen, wer hat das bestellt …?"
Wer kennt das Lied nicht? Übersetzen kann jeder. Gute Übersetzungen liefern können schon weniger. Und noch weniger können gute Übersetzungen liefern und dabei gleichzeitig schlanke und effiziente Prozesse verwenden.

Selbstverständlich möchte kein Auftraggeber für aufgeblähte und ineffiziente Prozesse zahlen. Gleichzeitig möchte er auch nicht für sein Geld minderwertige Qualität erhalten. Kann dieser Balanceakt zwischen Qualität und Kosten gelingen? Ja, wenn man sich an einige Regeln hält. 

Als erstes Prinzip gilt, dass man von vornherein den ganzen Prozess im Auge behält und schon gleich am Anfang möglichen Problemen vorbeugt. Reparieren ist ja immer teurer als alles gleich richtig zu machen. Es geht also u. a. um folgende Punkte:

  • Erkennung von technischen, sprachlichen oder inhaltlichen Problemstellen wie etwa unverständliche Abkürzungen, Bezüge zu externen Quellen wie z. B. bei Softwaretexten, unbekannten Sachverhalten oder unklaren Anweisungen.
  • Klärung offener terminologischer Fragen.
  • Überprüfung der Schnittstellen zwischen den einzelnen Projektbeteiligten, um sicherzustellen, dass z. B. Dateien nahtlos weiterverwendet werden können. 

Als zweites Prinzip gilt, dass jede Aufgabe nur einmal bearbeitet werden sollte. Wenn z. B. mehrere Personen dieselben Informationen recherchieren und konsolidieren, entstehen dadurch Reibungsverluste. Ein typisches Beispiel dafür sind die Fragen von Übersetzern, die verschiedene Personen zu unterschiedlichen Zeitpunkten prüfen. Das veranschaulicht folgende Grafik:

Noch zeitaufwendiger ist es, wenn dieser Ablauf sich wiederholt, wenn ein weiterer Übersetzer für eine andere Sprache dieselbe Frage stellt. Man hat relativ schnell unnötige Prozesskosten in der Größenordnung mehrerer Stunden zusammen, auch wenn bei jedem einzelnen der Aufwand lediglich bei
10 Minuten Arbeit liegt.

Als drittes Prinzip gilt, dass bei Übersetzungen in mehreren Sprachen bestimmte Aufgaben gebündelt werden können. Das betrifft u. a. die Vorbereitung von Ausgangsdateien (z. B. Schützen von Texten, die nicht zu übersetzen sind). Auch die Optimierung der Ausgangsdateien (etwa das Nachformatieren konvertierter PDF-Dateien) gehört dazu. Man führt diese Arbeit einmal durch und verwendet das Ergebnis X-mal für die jeweiligen Zielsprachen. 

Als viertes Prinzip gilt, dass die Kommunikation zwischen allen Beteiligten zeitnah und präzise sein soll. Die Kommunikation muss alle erforderlichen Informationen enthalten, damit Rückfragen von Beteiligten erst gar nicht vorkommen. Ein einfaches Beispiel: Angabe einer Auftragsnummer in der Betreffzeile einer E-Mail, um eine mühsame Suche nach dem Projekt bei den Empfängern zu vermeiden. Eine effiziente Kommunikation bedeutet auch, dass sie nur die notwendigen Teilnehmer einbezieht und nicht alle Beteiligten mit Nachrichten überhäuft, die sie nicht unmittelbar betreffen. 

Als fünftes Prinzip gilt es, möglichst viele Arbeitsschritte zu automatisieren. Besonders bei standardmäßigen Aufträgen bieten moderne Workflowsysteme die Chance, von der Kostenschätzung bis zur Lieferung fertiger Dateien einen großen Teil der einzelnen Arbeitsschritte zu automatisieren: Ermittlung der Textmengen,  Anfrage bei Übersetzern, Abrechnung der Leistungen, um einige zu nennen. Auch bei sich wiederholenden Prozessschritten senkt die Automatisierung den Aufwand. Schließlich gilt als sechstes und letztes Prinzip, dass nur die Arbeit ausgeführt wird, die auch vereinbart wurde. Nicht bei jedem Projekt ist es gewünscht und erforderlich, ein komplettes Dienstleistungsspektrum von der Terminologieextraktion bis zum Lektorat der Übersetzung umzusetzen. Wenn man all diese Prinzipien beherzigt, ist es durchaus machbar, hochwertige Übersetzungen zu liefern und dabei gleichzeitig schlanke und effiziente Prozesse zu benutzen. An einigen Kostenaspekten sollte man jedoch nicht unnötig sparen. Trotz aller Effizienz und Technik bleibt die Übersetzung das Produkt von Menschen. Übersetzer, die eine gewisse Qualifikation und Erfahrung haben, haben auch ihren Preis. Hier wäre der Verzicht auf diese Ressourcen zugunsten von Billigstübersetzern kontraproduktiv und würde am Ende mehr Kosten verursachen.

Sprache = Sprache?

Würde man einen Autohändler nach dem Preis eines Autos fragen, ohne auf weitere Einzelheiten einzugehen, dann würde man bestenfalls auf Verwunderung stoßen. Bei Sprachen verhalten wir uns aber oft so, als ob eine Übersetzung ins Französische nicht viel anders als eine Übersetzung ins Ungarische wäre. Das ist natürlich verständlich, denn wer kennt schon die Unterschiede zwischen den ca. 30 Hauptsprachen, in die regelmäßig in deutschen Unternehmen übersetzt wird?

Jede Sprache funktioniert anders, und das bleibt nicht ohne Folgen für die Arbeit von Redakteuren, Übersetzern und Revisoren. Die Unterschiede betreffen viele Aspekte der Kommunikation, von der Morphologie (Beschaffenheit der Wörter) über die Syntax bis hin zur Semantik (Vermittlung von Bedeutungen).

Als Erstes unterscheiden sich die Sprachen in ihrer Morphologie. Es gibt grundsätzlich zwei Grundtypen, zwischen denen sich die Sprachen bewegen: 1) Die isolierenden Sprachen Morpholo und 2) Die synthetischen Sprachen, die wiederum einige Varianten enthalten. Für die isolierenden Sprachen (auch analytische Sprachen genannt) haben die Wörter nur eine einzige Form, d. h. sie verwenden keine Morpheme wie Suffixe, Infixe oder Affixe, um Informationen zu vermitteln. Chinesisch ist ein typisches Beispiel für eine isolierende Sprache. Informationen, die zum Beispiel im Deutschen über eine Dativ-Konstruktion ausgedrückt werden, müssen im Chinesischen aus dem Kontext bzw. über die Syntax gewonnen werden. Beispiel: "wer" bzw. "wem" in folgenden Sätzen:

  • Wer hilft diesem Studenten?

Wer(谁) hilft(帮助)diesem(这个)Studenten (学生)?

  • Wem hilft dieser Student?

这个 (dieser) 学生 (Student) 帮助 (helfen) 谁 (wem) ?

Bei den synthetischen Sprachen kommt ein Teil der Informationen über Morpheme wie z. B. Flexionsmorpheme. In manchen Sprachen verändern Flexionen den Stamm von Wörtern. Je nach Variante können diese Morpheme sehr komplex sein. So ist bei einer agglutinierenden Sprache wie Finnisch ein Wort wie "taloissani" (= "in meinen Häusern") so zu zerlegen: "talo" ("Haus") + "i" (Plural) + "ssa" ("in") + "ni" ("mein"). Die Sprachmorphologie hat einen großen Einfluss auf die Terminologieerkennung durch Softwareprodukte, die Redakteure oder Übersetzer einsetzen.

Beim Genus weisen Sprachen ebenfalls Unterschiede auf. Bestimmte Sprachen kennen gar kein Genus, während andere zwischen Geschlechtern unterscheiden und weitere deutlich komplexere Kategorien kennen. Auch bei der Auswahl des passenden Sprachregisters gehen Sprachen unterschiedlich vor. Manche Sprachen sind relativ informell und kennen nur eine Anrede (zum Beispiel das "you" in Englisch), andere berücksichtigen das Geschlecht bzw. die Position des Ansprechpartners in der Gesellschaft, wie es bei Japanisch der Fall ist.

Die Zählweise ist ein weiterer übersetzungsrelevanter Aspekt, denn nicht alle Sprachen kennen wie im Deutschen die zwei Formen Einzahl und Mehrzahl. Einige Sprachen verwenden weitere Kategorien, wie Arabisch mit drei Numeri (Singular, Dual und Plural). Ferner sind die Regeln zur Bildung von Termini unterschiedlich. Viele indogermanische Sprachen wie Deutsch, Schwedisch oder Niederländisch bilden Komposita, die oft drei oder vier Komponenten haben. Komposita lassen sich auch über ein gemeinsames Hauptwort kombinieren ("Bohr-, Fräs- und Drehbearbeitung"). Das ist für die automatische Terminologieerkennung durch Translation-Memory-Systeme eine große Herausforderung. Englisch oder romanische Sprachen dagegen greifen bevorzugt auf Mehrwortbenennungen zu, sodass in diesen Sprachen die Terminologieextraktion einen etwas komplexeren Prozess darstellt. Auch bilden die extrahierten Wortgruppen nicht immer feste Wortverbindungen. So ist es z. B. in einigen Sprachen wie Französisch möglich, Adjektive innerhalb eines Mehrwortterminus einzufügen, was die Terminologieerkennung durch verschiedene Tools erschwert: "linkes Löseventil" / "soupape gauche de décharge".

In der Syntax unterscheiden sich die Sprachen stark voneinander. Es wurde versucht, Sprachen nach typischen Reihenfolgen von Subjekt, Verb und Objekt zu gruppieren (SVO, SOV, VSO), aber diese Klassifikation verliert an Bedeutung, sobald die Sätze komplexer werden. Ferner verwendet nicht jede Sprache die syntaktischen Regeln gleich einheitlich und zwingend. Manche Sprachen lassen mehr syntaktischen Formulierungsfreiraum zu als andere. Anders ausgedrückt findet man in einigen Sprachen für dieselbe deutsche Aussage mehr Formulierungsvarianten als in einer anderen Sprache, was z. B. bei der Bewertung von MarketingÜbersetzungen eine Rolle spielt. Dieser Aspekt wird in der Zukunft bei der Lokalisierung von ChatBots eine Rolle spielen, wenn es darum geht, Standardsätze in eine andere Sprache zu übertragen und nicht mehr nur 1:1 zu übersetzen.

Schließlich zeigt der Umfang des Wortschatzes einzelner Sprachen, dass die Sprachen eine Realität mehr oder weniger präzise beschreiben. Die englische Sprache hat etwa doppelt so viele Wörter wie die deutsche. Häufig zeigt sich dies bei Handlungsverben bzw. bei Verbalsubstantiven. Das deutsche Wort "lösen" kann z. B. im Englischen mit "release" (Bremse), "loosen" (Abdeckplatte) oder "unscrew" (Schraube) übersetzt werden.

Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass Sprachen mit einem geringeren Wortschatz bestimmte Informationen nicht vermitteln können. Informationen, die präzise Einzelwörter nicht abdecken, können über Wortkombinationen (z. B. Kombination von Ideogrammen bei neuen technischen Begriffen im Chinesischen), mit syntaktischen Mitteln, über die Morphologie oder aus dem Kontext entnommen werden. Chinesisch hat weniger Wörter als Deutsch, ist dafür deutlich kontextabhängiger.

All diese Aspekte bleiben nicht ohne Folgen für die Organisation der Übersetzungsarbeit und für die Genauigkeit der Übertragung einer Information von einer Sprache in die andere. Es ist illusorisch zu denken, dass alle Übersetzer jederzeit dieselbe Information exakt in ihrer Sprache wiedergeben können. Das betrifft auch den technischen Bereich, bei dem der Übersetzer manchmal zu zusätzlichen Mitteln greifen muss, um Informationsdefizite zu kompensieren, die in seiner Sprache vorkommen können. Bei bestimmten Textsorten wie Marketingtexten kommen diese sprachlichen Unterschiede stärker zum Tragen.

Was bedeutet dies für die Arbeit von Redakteuren und Autoren? Es ist vor allem wichtig, dass sie möglichst auf Informationen verzichten, die stark kontextabhängig oder kulturell bedingt sind. In anderen Worten, sie müssen möglichst präzise und konsistent formulieren, um den Interpretationsspielraum gering zu halten. Das betrifft v. a. den Verzicht auf bevorzugt verwendete Oberbegriffe wie etwa "Gerät" (statt "Druckschaltgerät"), die je nach Sprache den Übersetzer vor nur schwer lösbare Fragen stellen.

Die obigen Ausführungen werfen außerdem ein besonderes Licht auf den Einsatz maschineller Übersetzungssysteme. Vieles, was Sprachen in ihrer morphologischen, syntaktischen oder semantischen Struktur voneinander unterscheidet, lässt sich automatisch kaum einwandfrei übersetzen. Nur der Mensch kann erkennen, welche Informationen präzisiert bzw. weggelassen werden können. Dienstleister, die mit den unterschiedlichen Eigenschaften von Fremdsprachen vertraut sind, sind dabei im Vorteil.

Projekttagebuch

Für viele Profi-Sportler ist es Routine: Sie führen ein Tagebuch und tragen dort ihre Trainingsdaten ein wie Tagesform, erbrachte Leistung oder Beschwerden. Beim Projektmanagement von Übersetzungen ist ein Tagebuch allerdings weniger verbreitet, obwohl es sich als sehr nützliches Instrument für eine erfolgreiche Projektarbeit erweisen kann.

Größere Übersetzungsprojekte mit einer Vielzahl von Dateien und Sprachen können sich als sehr komplex und fehleranfällig erweisen. Nicht selten muss der Projektmanager über mehrere Wochen viele Prozessschritte und Hunderte von Bearbeitungszuständen überwachen, mit mehreren Übersetzern, technischen Fachleuten oder Auftraggebern kommunizieren. Das Projektwissen ist auf viele Köpfe verteilt.

Zwar gibt es am Markt eigenständige bzw. in Translation-Memory-Systemen integrierte Verwaltungsprogramme für Projekte, aber nur wenige liefern die Instrumente für ein systematisches Erfassen des Projektlebens. Daher bietet sich das Führen eines elektronischen Projekttagebuchs als nützliche Ergänzung zu den gängigen Mitteln des Projektmanagements an. So lässt sich mit einem Blick feststellen, was im Verlauf des Projekts geschehen ist. Das ist z. B. praktisch, wenn ein Mitarbeiter nach seinem Urlaub zurückkommt und das Projekt weiterführt bzw. wenn am Ende des Projektes nach möglichen Fehlerursachen gesucht wird.

Aber wie soll ein solches Projekttagebuch aussehen? Welche Informationen gehören dazu? Das Wichtigste ist zuerst einmal, dass der Projektmanager alle Projektereignisse chronologisch (mit Datum und möglichst auch mit Uhrzeit) erfasst. Falls mehrere Personen das Tagebuch führen, muss auf jeden Fall der Name des Verfassers auch mitprotokolliert werden.

Erfasst werden unterschiedliche Ereignisse wie Beauftragung, wichtige Mails, bestimmte Aktionen (wie Dateneingang oder Lieferung), Meetings (und Beschlüsse), Kommunikation oder Vereinbarungen. Am besten ist es, wenn bereits von Anfang an mit typischen Informationskategorien gearbeitet wird, sodass bei Bedarf eine gezielte Informationssuche anhand dieser Kategorien (z. B. über eine Filterfunktion von Excel) erfolgen kann. Beispiel: "Gibt es in der Kategorie ‚ToDo‘ eine Aufgabe, die den Status ‚offen‘ hat?". Da in der Regel Projekte nicht einmalig sind, macht es Sinn, diese Kategorien zu standardisieren. Beispiele für solche Kategorien sind: "Kommunikation mit Kunden, Kommunikation mit Lieferanten, Verarbeitungsschritt, Kosten, Anweisung/Vereinbarung, ToDo".

Von besonderer Bedeutung sind Informationen, die im Projektverlauf Gegenstand von Diskussionen sein könnten. Es geht u. a. um Anweisungen, die der Auftraggeber dem Dienstleister oder der Projektmanager dem Übersetzer erst zu einem späteren Zeitpunkt erteilt, wenn das Projekt bereits angelaufen ist. So kann es z. B. sein, dass eine Anweisung zur Terminologie erst nach der Lieferung eines Projektteils erfolgte und diese Information ohne Projekttagebucheintrag einige Wochen später nicht mehr zu rekonstruieren ist. Die Verwunderung ist dann groß, wenn Vorgaben in der Übersetzung nicht umgesetzt wurden.

Beim Protokollieren von Aktionen, die von Problemen unterschiedlicher Natur (technisch, sprachlich oder organisatorisch) begleitet werden, ist es im Sinne künftiger Verbesserungsmaßnahmen wichtig, diese Probleme genau zu beschreiben und zu dokumentieren und dabei die möglichen Ursachen zu nennen. Es geht um Fragen Wer, Was, Wie, Womit und mit Welchem Ergebnis umgesetzt hat. Beispiel: "Bei der Projektvorbereitung hat der EDV-Mitarbeiter in der Datei ABC.XLIFF einige Sätze falsch segmentiert. Es hat sich herausgestellt, dass der Text unbekannte Abkürzungen enthielt, die das Übersetzungssystem als Satzende interpretiert hat."

Auch das Erfassen etwaiger Abweichungen zwischen Plan und Ergebnis kann nützlich sein, etwa: "Die französische Qualitätssicherung des Magazintextes durch XY hat 3 Stunden länger gedauert. Die vorgegebenen Artikelbezeichnungen stimmten nicht immer mit der Terminologie überein und mussten geklärt werden."

Nach Abschluss eines Projektes bildet das Projekttagebuch eine wichtige Grundlage für Abschlussbesprechungen, bei denen es darum geht, die Organisation und die Durchführung des Projekts zu bewerten. Daraus lassen sich Lösungsideen und Verbesserungen für künftige Projekte ziehen. Auch können Tagebucheinträge Informationen über Aktionen enthalten, die noch durchzuführen sind, wie z. B. das nachträgliche Korrigieren der Terminologie in einem Translation-Memory.

Im Falle von Meinungsunterschieden zwischen Projektteilnehmern (Übersetzungsdienstleister, Übersetzer oder Auftraggeber) helfen die Informationen aus dem Projekttagebuch, die Diskussion zu versachlichen und Ursachen zu identifizieren. Auch können sie im Falle von nicht selbst verschuldetem Mehraufwand die Forderungen eines Projektteilnehmers untermauern.

Ideal wäre es, wenn die gängigen Projektmanagement-Programme, ob eigenständig oder in Übersetzungsumgebungen integriert, eine Tagebuchfunktion anböten. Zwar lässt sich vieles durch Nachforschen und Sichten von Notizen und Korrespondenz rekonstruieren, aber das ersetzt die Möglichkeiten nicht, die ein Tagebuch bietet.

Obwohl das Führen eines Tagebuchs mit einem gewissen Aufwand verbunden ist, gehört es zu den Best-Practices des Projektmanagements. Es ist ein wichtiges Instrument zur Projektsteuerung und für die kontinuierliche Verbesserung von Unternehmensprozessen.

Die Sprachen im Internet

"If I am selling to you, I speak your language. If I am buying, dann müssen Sie Deutsch sprechen." Dieses Zitat vom früheren deutschen Bundeskanzler Willy Brandt fasst die Bedeutung der Sprachen bei der Kommunikation mit Kunden gut zusammen.

In unserer schnelllebigen Welt ändert sich die Anzahl der Internetnutzer je Sprache rapide. Nach einer Studie der Internationalen Fernmeldeunion schätzte man für Ende 2015 weltweit die Anzahl der Internetnutzer auf 3,2 Mrd., davon 2 Mrd. aus Entwicklungsländern1. Im Jahr 2000 waren es noch 400 Millionen. Auch die Zeit, die Menschen mit dem Internet verbringen, nimmt stetig zu. In Großbritannien z. B. hat eine neuere Studie von OFCOM2 ermittelt, dass im März 2016 Internetnutzer pro Monat im Schnitt 30:42 Stunden online waren, das ist etwa eine Stunde pro Tag. Sie nutzen das Internet für die Recherche nach Produkten und Informationen, aber auch um sich untereinander über Blogs und soziale Netzwerke auszutauschen.

Die Zahl der Unternehmen, die auf E-Commerce setzen und eine Strategie dafür entwickeln, nimmt zu. Da Deutschland eine der größten Exportnationen der Welt ist, ist es für alle, die das Internet benutzen, um ihre Dienstleistungen und Produkte zu vertreiben oder mit Kunden und Interessenten zu kommunizieren, sehr wichtig, regelmäßig die Ent- wicklung bei den Sprachen der Internetnutzer zu verfolgen. Es gibt viele teils unterschiedliche Statistiken über die Verteilung der Sprachen im Internet, wobei man grundsätzlich unterscheiden muss zwischen der Sprache der Nutzer (Nachfrage) und der Sprache der Webseiten (Angebot). Eine vielzitierte Quelle ist die Internet World Stats3, die nützliche Daten liefert. Dieser Quelle nach sehen die zehn wichtigsten Sprachen bei den Internetnutzern wie folgt aus (Stand: 30.06.2016):

Sprache Internetnutzer je Sprache Wachstumsrate (2000 - 2016) Sprecher dieser Sprache weltweit (Schätzung)
Englisch 948.608.782  573,9%  1.400.052.373
Chinesisch 751.985.224  2.227,9%  1.415.572.934
Spanisch 277.125.947  1.424,3%  450.235.963
Arabisch  168.426.690  6.602,5%  388.332.877
Portugiesisch   154.525.606  1.939,7%  266.757.744
Japanisch  115.111.595  144,5%  126.464.583
Malaiisch   109.400.982  1.809,3%  289.702.633
Russisch   103.147.691  3.227,3%  146.358.055
Französisch  102.171.481  751,5%  393.892.299
Deutsch   83.825.134  204,6%  94.973.855
TOP 10 Sprachen  2.814.329.132  848,4%  4.972.343.316
Übrige Sprachen   797.046.681  1.141,0%  2.367.750.664
WELT GESAMT   3.611.375.813  900,4%  7.340.093.980

 

Wie man sieht, sind die Wachstumsraten bei der Internetnutzung sehr hoch. Noch ist Englisch die Hauptsprache der Internetnutzer, aber der Abstand zur zweiten Sprache Chinesisch wird immer geringer. Nach derselben Statistik sind die Regionen der Welt, die am schnellsten wachsen, Afrika und der Mittlere Osten, wobei hier das Wachstumspotenzial noch nicht ausgeschöpft ist (28,60 Prozent bzw. 53,70 Prozent Nutzungsanteil). Für Deutsch liefert die ARD/ZDF-Onlinestudie folgende Zahlen: Im Jahr 2015 betrug die Internetnutzung 79,5 Prozent bei Personen ab 14 Jahren (insgesamt 56,1 Millionen).

Wie sieht dagegen die Verteilung der angebotenen Webseiten nach Sprachen aus? Das gegenwärtige Angebot an Webseiten ist hier sprachmäßig ganz anders verteilt, als wir es auf der Nutzerseite sehen. Demnach sind die zehn wichtigsten Sprachen bei den angebotenen Webseiten die folgenden:

Sprache Anteil Webseiten in dieser Sprache
Englisch 53.0%
Russisch 6.4%
Deutsch 5.5%
Japanisch 5.5%
Spanisch 4.9%
Französisch 4.0%
Portugiesisch 2.5%
Italienisch 2.2%
Chinesisch 1.9%
Türkisch 1.7%

Quelle

Dieser Unterschied zwischen den Sprachen der Nutzer und den angebotenen Sprachen zeigt, dass es für den Vertrieb von Produkten über das Internet noch ein großes Potenzial gibt. Es gehört also zu jeder erfolgreichen Marketingstrategie für Industrieunternehmen, Inhalte in die Sprachen der Kunden, seien es Privatkunden oder Unternehmen, zu übersetzen (Stichwort E-Commerce, B2B).

Es ist allerdings nicht alles damit getan, wenn nur eine Übersetzung produziert wird. Entscheidend ist dabei, wie die jeweiligen übersetzten Inhalte bei den Zielgruppen ankommen. Jeder kann für sich selbst den Test machen und sich deutsche Übersetzungen auf Webseiten von Nachbarländern anschauen. Wie vertrauenerweckend für die Produkte und Leistungen der Anbieter wirken schlecht übersetzte Seiten?

Viele Leser und potenzielle Kunden schlussfolgern aus der Qualität des übersetzten Textes auf die Qualität der angebotenen Produkte ("Stippel A kaum abbiegen und verklappen in Gegenstippel B."). Manche Übersetzungsfehler können sogar großen Schaden anrichten. Da wäre es besser gewesen, den Text in der Ausgangssprache zu belassen.

Webseiten zu übersetzen ist eigentlich mehr als nur Wörter zu übersetzen. Der Übersetzer muss den Inhalt so übertragen, dass der Leser gar nicht merkt, dass er es mit einer Übersetzung zu tun hat. Darüber hinaus müssen mehrere Aspekte lokalisiert werden, ob Farben, Symbole und Bilder, Beispiele, Humor, Zahlenund Datumsformate, Informationen wie Telefonnummern und Vertriebsadressen, um nur einige zu nennen. Schließlich spielt die Technik auch eine wichtige Rolle. Unternehmen setzen Content-Management-Systeme für die Verwaltung ihrer Webseiten ein. Sie aktualisieren Inhalte regelmäßig. Diese Inhalte sind in sehr unterschiedlichen Formaten vorhanden: HTML5, XML, Multimedia …

Angesichts der Tatsache, dass Kunden weltweit immer mehr auf eine Ansprache in ihrer Sprache bestehen, muss eine professionelle Abwicklung der Lokalisierung von Web-Content für den globalen Markt auch fester Bestandteil der E-Commerce-Strategie jedes Unternehmens sein.

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