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Kategorie: Übersetzungen



Projekttagebuch

Für viele Profi-Sportler ist es Routine: Sie führen ein Tagebuch und tragen dort ihre Trainingsdaten ein wie Tagesform, erbrachte Leistung oder Beschwerden. Beim Projektmanagement von Übersetzungen ist ein Tagebuch allerdings weniger verbreitet, obwohl es sich als sehr nützliches Instrument für eine erfolgreiche Projektarbeit erweisen kann.

Größere Übersetzungsprojekte mit einer Vielzahl von Dateien und Sprachen können sich als sehr komplex und fehleranfällig erweisen. Nicht selten muss der Projektmanager über mehrere Wochen viele Prozessschritte und Hunderte von Bearbeitungszuständen überwachen, mit mehreren Übersetzern, technischen Fachleuten oder Auftraggebern kommunizieren. Das Projektwissen ist auf viele Köpfe verteilt.

Zwar gibt es am Markt eigenständige bzw. in Translation-Memory-Systemen integrierte Verwaltungsprogramme für Projekte, aber nur wenige liefern die Instrumente für ein systematisches Erfassen des Projektlebens. Daher bietet sich das Führen eines elektronischen Projekttagebuchs als nützliche Ergänzung zu den gängigen Mitteln des Projektmanagements an. So lässt sich mit einem Blick feststellen, was im Verlauf des Projekts geschehen ist. Das ist z. B. praktisch, wenn ein Mitarbeiter nach seinem Urlaub zurückkommt und das Projekt weiterführt bzw. wenn am Ende des Projektes nach möglichen Fehlerursachen gesucht wird.

Aber wie soll ein solches Projekttagebuch aussehen? Welche Informationen gehören dazu? Das Wichtigste ist zuerst einmal, dass der Projektmanager alle Projektereignisse chronologisch (mit Datum und möglichst auch mit Uhrzeit) erfasst. Falls mehrere Personen das Tagebuch führen, muss auf jeden Fall der Name des Verfassers auch mitprotokolliert werden.

Erfasst werden unterschiedliche Ereignisse wie Beauftragung, wichtige Mails, bestimmte Aktionen (wie Dateneingang oder Lieferung), Meetings (und Beschlüsse), Kommunikation oder Vereinbarungen. Am besten ist es, wenn bereits von Anfang an mit typischen Informationskategorien gearbeitet wird, sodass bei Bedarf eine gezielte Informationssuche anhand dieser Kategorien (z. B. über eine Filterfunktion von Excel) erfolgen kann. Beispiel: "Gibt es in der Kategorie ‚ToDo‘ eine Aufgabe, die den Status ‚offen‘ hat?". Da in der Regel Projekte nicht einmalig sind, macht es Sinn, diese Kategorien zu standardisieren. Beispiele für solche Kategorien sind: "Kommunikation mit Kunden, Kommunikation mit Lieferanten, Verarbeitungsschritt, Kosten, Anweisung/Vereinbarung, ToDo".

Von besonderer Bedeutung sind Informationen, die im Projektverlauf Gegenstand von Diskussionen sein könnten. Es geht u. a. um Anweisungen, die der Auftraggeber dem Dienstleister oder der Projektmanager dem Übersetzer erst zu einem späteren Zeitpunkt erteilt, wenn das Projekt bereits angelaufen ist. So kann es z. B. sein, dass eine Anweisung zur Terminologie erst nach der Lieferung eines Projektteils erfolgte und diese Information ohne Projekttagebucheintrag einige Wochen später nicht mehr zu rekonstruieren ist. Die Verwunderung ist dann groß, wenn Vorgaben in der Übersetzung nicht umgesetzt wurden.

Beim Protokollieren von Aktionen, die von Problemen unterschiedlicher Natur (technisch, sprachlich oder organisatorisch) begleitet werden, ist es im Sinne künftiger Verbesserungsmaßnahmen wichtig, diese Probleme genau zu beschreiben und zu dokumentieren und dabei die möglichen Ursachen zu nennen. Es geht um Fragen Wer, Was, Wie, Womit und mit Welchem Ergebnis umgesetzt hat. Beispiel: "Bei der Projektvorbereitung hat der EDV-Mitarbeiter in der Datei ABC.XLIFF einige Sätze falsch segmentiert. Es hat sich herausgestellt, dass der Text unbekannte Abkürzungen enthielt, die das Übersetzungssystem als Satzende interpretiert hat."

Auch das Erfassen etwaiger Abweichungen zwischen Plan und Ergebnis kann nützlich sein, etwa: "Die französische Qualitätssicherung des Magazintextes durch XY hat 3 Stunden länger gedauert. Die vorgegebenen Artikelbezeichnungen stimmten nicht immer mit der Terminologie überein und mussten geklärt werden."

Nach Abschluss eines Projektes bildet das Projekttagebuch eine wichtige Grundlage für Abschlussbesprechungen, bei denen es darum geht, die Organisation und die Durchführung des Projekts zu bewerten. Daraus lassen sich Lösungsideen und Verbesserungen für künftige Projekte ziehen. Auch können Tagebucheinträge Informationen über Aktionen enthalten, die noch durchzuführen sind, wie z. B. das nachträgliche Korrigieren der Terminologie in einem Translation-Memory.

Im Falle von Meinungsunterschieden zwischen Projektteilnehmern (Übersetzungsdienstleister, Übersetzer oder Auftraggeber) helfen die Informationen aus dem Projekttagebuch, die Diskussion zu versachlichen und Ursachen zu identifizieren. Auch können sie im Falle von nicht selbst verschuldetem Mehraufwand die Forderungen eines Projektteilnehmers untermauern.

Ideal wäre es, wenn die gängigen Projektmanagement-Programme, ob eigenständig oder in Übersetzungsumgebungen integriert, eine Tagebuchfunktion anböten. Zwar lässt sich vieles durch Nachforschen und Sichten von Notizen und Korrespondenz rekonstruieren, aber das ersetzt die Möglichkeiten nicht, die ein Tagebuch bietet.

Obwohl das Führen eines Tagebuchs mit einem gewissen Aufwand verbunden ist, gehört es zu den Best-Practices des Projektmanagements. Es ist ein wichtiges Instrument zur Projektsteuerung und für die kontinuierliche Verbesserung von Unternehmensprozessen.

Wie übersetzbar sind Texte?

Die Übersetzung stilistisch anspruchsvoller Texte, wie z. B. Marketingtexte, führt immer wieder zu Diskussionen. Jemand liest im Aus­land Korrektur, meldet Änderungswünsche und stellt manchmal die Frage, ob der Über­setzer überhaupt für die Arbeit qualifiziert war. Da diese Art von Situation ab und zu vor­kommt, möchten wir hier den Ursachen näher kommen. Wir klammern natürlich die Fälle aus, bei denen ein Übersetzer tatsächlich für die Übersetzung von Werbetexten nicht geeig­net ist und ein dürftiges Ergebnis liefert.

In den meisten Fällen erfolgt die Prüfung im Aus­land so, dass der Prüfer nicht Übersetzung und Originaltext miteinander vergleicht, sondern le­diglich die übersetzte Fassung liest und überar­beitet. Nicht selten versteht der Prüfer dabei die deutsche Sprache nicht bzw. nicht ausreichend. Dadurch übernimmt er vielmehr die Aufgabe eines traditionellen Lektorats, ähnlich mit dem Gegenlesen eines Textes in der Originalsprache durch einen Lektor. Die daraus resultierenden Änderungen sind unterschiedlicher Natur:

  1. Sie betreffen die reinen sprachlichen Vor­lieben des Lektors in seiner Muttersprache.
  2. Sie betreffen Formulierungen, die über­setzungsbedingt sind und in seiner Mut­tersprache etwas befremdlich wirken.
  3. Sie betreffen inhaltliche Angaben, die mit dem angestrebten Zweck des Textes für die Zielgruppe im betroffenen Land zu­sammenhängen.

Der erste Typ von Änderungen ist nichts anderes als das, was jeder Lektor tut, wenn er den Text eines anderen gegenliest. Sprache ist etwas sehr Individuelles und spiegelt die persönliche und sprachliche Erfahrung jedes Einzelnen wi­der. Jeder Mensch hat sich über die Jahre durch seine Ausbildung, durch sein Umfeld, durch die Medien, die er nutzt, usw. einen ganz persönli­chen Wortschatz angeeignet. Dadurch entsteht seine Vorliebe für gewisse Formulierungen bzw. sein Verständnis für bestimmte Konzepte oder Fachwörter. Interessanterweise ist dieses Phänomen Gegenstand einer ganz speziellen Wissenschaft, nämlich der forensischen Lin­guistik, die in Kriminalfällen hilft, Verdächtigte aufgrund ihrer sprachlichen Besonderheiten zu identifizieren, denn jeder Mensch hat eine Art sprachlichen Fingerabdruck.

Übersetzungsbedingte Formulierungen sind bei weitem die Formulierungen, die die meis­ten Diskussionen verursachen. Die Aufgabe des Übersetzers ist es zuerst einmal die Aussa­ge des Textes in seine Sprache zu übertragen. Übersetzungsanfänger neigen dazu, Sätze Wort für Wort zu übersetzen. Das fällt natürlich auf, weil Sprachen sehr unterschiedlich "ticken" und andere Satzstrukturen und Wortkombina­tionen verwenden. Aber auch erfahrenen Über­setzern, die die Grundregeln ihres Handwerks beherrschen, ist es kaum möglich, den sprach­lichen "Geist" des Originaltextes auszumerzen, auch wenn sie sich Mühe geben, ihre Überset­zung stilistisch zu optimieren. Woran liegt das?

Dafür gibt es im Grunde zwei Haupterklärun­gen. Zum einen spielen linguistische Faktoren eine Rolle und zum anderen sind es kulturelle Aspekte. Man muss sich die Sprache als Filter vorstellen, durch den jeder die Realität inter­pretiert. Um eine Realität zu beschreiben, ver­ fügt die Sprache über Begriffe und Wörter so­wie über Regeln, um diese Wörter miteinander zu kombinieren, sprich über eine Grammatik. Wenn Wörter und Grammatik in allen Spra­chen übereinstimmen würden, wäre maschi­nelles Übersetzen ein leichtes Spiel. Aber wir wissen aus Erfahrung, dass Grammatiken und der Wortschatzumfang der einzelnen Sprachen sehr unterschiedlich sein können. So kann man zurzeit von einem Wortschatz von ca. ei­ner Million Wörtern für die englische Sprache ausgehen, während die deutsche Sprache im Rahmen von 400-500.000 Wörtern oder die chinesische Sprache im Bereich von 370.000 Wörtern liegt. Es liegt also auf der Hand, dass je nach Sprache Informationen und v. a. präzi­se Informationen nicht ausschließlich über die einzelnen Wörter vermittelt werden. Manche Konzepte sind in einer Sprache genauer als in anderen, wie es beispielsweise bei dem deut­schen Ausdruck "maschinenseitig" der Fall ist, der schwer in Englisch übertragbar ist.

Während einzelne Sprachen tendenziell die Hauptinformation in einem Fachwort unter­bringen, benutzen andere Sprachen verstärkt den Kontext, um die vollständige Information zu vermitteln. So ist der Ausdruck "Vor dem Hauptschalter angeschlossen" weniger exakt als das Englische "Connected upstream from the main switch". In der Praxis kommt es im­mer wieder vor, dass entweder der Übersetzer oder der Prüfer einer Übersetzung lieber auf Nummer sicher geht und eine Information in die Übersetzung übernimmt, die diese Spra­che eigentlich nicht benötigt. So entstehen Konstruktionen wie "Fahrgestell und Federung" (anstatt "Fahrwerk") für das englische "chassis and suspension", die zwar verständlich sind, aber trotzdem leicht befremdlich wirken. Kulturell sitzt der Übersetzer zwischen zwei Stühlen. Er muss die Informationen, Beispie­le, Anspielungen des Originaltextes vermitteln. Dessen Autor kann sich verständlicherweise nicht in die Kultur aller möglichen Zielsprachen versetzen, sodass manchmal merkwürdige Aus­sagen entstehen. Das kann ebenfalls für den Fall gelten, bei dem in der Zielsprache eine be­stimmte Redewendung oder ein Vergleich sehr gut angebracht wäre, der im Originaltext gar nicht vorkommt. Nur die wenigsten Übersetzer trauen sich diesen Schritt der Interpretation zu.

Schließlich findet man bei den Korrekturen des Lektors im Ausland Änderungen, die eigentlich dem Informationsgehalt des Ausgangstextes gelten. Es ist in der Tat so, dass man denselben Sachverhalt in alle möglichen Sprachen und Kul­turen nie identisch vermitteln würde, wenn keine Übersetzungen im Spiel wären. Abgesehen von reinen sachlichen Informationen wie Telefon­nummern oder Adressen gehen unterschiedliche Sprach- oder Kulturgemeinschaften nicht von denselben Voraussetzungen und Erwartungen aus. Wir kennen z. B. den unterschiedlichen Um­fang von Serviceanleitungen für Fahrzeuge zwi­schen den USA und Europa, der darin begründet ist, dass die Sicherheitsanforderungen und die Vorkenntnisse der Anwender unterschiedlich sind.

Diskussionen zum Stil und Inhalt von Überset­zungen wird es natürlich immer geben. Es ist nützlich, die möglichen Ursachen zu verstehen. Bei besonders anspruchsvollen Texten emp­fiehlt es sich, mit seinem Dienstleister einen zusätzlichen Adaptationsschritt zu vereinbaren, bei dem ausschließlich die übersetzte Fassung ohne Abgleich mit dem Original gegengelesen und anschließend an die Zielgruppe ange­passt wird. Nur so kann ein Text entstehen, der sich wie ein Original liest.

Übersetzerrückfragen: Was sie uns verraten

Übersetzerrückfragen kann man so oder so betrachten. Zum einen muss man froh sein, dass der Übersetzer sich meldet und nicht einfach etwas übersetzt, das er nicht versteht. Zum anderen bedeutet die Beantwortung seiner Fragen manchmal viel Aufwand und ggfs. Terminverschiebungen. Ein großer Teil der oft berechtigten Übersetzerfragen kann helfen, die Dokumentation zu verbessern oder die Projektabläufe zu optimieren. Dies umso mehr, wenn es sich dabei um mehrsprachige Projekte handelt.

Welche sind die Fragen, die Übersetzer stellen? Sicher findet man unter den Fragen, die im Laufe der Zusammenarbeit mit einzelnen Übersetzern oder mit Agenturen vorkommen, viele die sehr spezifisch sind und sich nicht verallgemeinern lassen. Aber es sind auch wiederkehrende Fragen dabei, die sich auf folgende allgemeine Bereiche beziehen:

  1. Arbeitsanweisungen, Technik und Projektorganisation.
  2. Sprache: Formulierungen, Mehrdeutigkeit, Vorübersetzungen.
  3. Terminologie und Abkürzungen.
  4. Sachverhalte, Technologien und Verfahren.

Fragen zum ersten Bereich weisen oft auf Defizite bei der Projektorganisation hin und sind in der Regel mit einem standardisierten Projektvorbereitungsverfahren zu vermeiden. Es geht dabei um Punkte wie: Die genaue Angabe der zu übersetzenden Dateien oder Texte ("nur die gelb markierten Texte übersetzen", "Kommentare nicht übersetzen", "Dateien A und B gelten nur als Referenz"), die Angabe der Sprachvarianten ("Britisches Englisch") sowie sprachliche oder technische Vorgaben ("Datei in UTF-8 abspeichern", "Produktnamen nicht übersetzen", usw.).Bei bestimmten Projekttypen wie Softwareübersetzungen, Patentübersetzungen oder der Übersetzung von Marketingtexten ist es für die Übersetzer oft eine große Hilfe, wenn sie Anweisungen darüber erhalten, wie genau bestimmte Texte zu übersetzen sind ("Text bitte frei übersetzen").

Die meisten Fragen haben mit Formulierungen und Inhalten zu tun. In Bezug auf die Sprache stoßen Übersetzer immer wieder auf Stellen, die bei näherer Betrachtung nicht immer so eindeutig sind, wie es sich der Redakteur beim Verfassen des Textes gedacht hatte. Das kann zum einen daran liegen, dass in einer Sprache präziser formuliert wird als in einer anderen und daher zusätzliche Informationen benötigt werden. Wie übersetzt man das französische "télécharger" (fernladen), wenn der Kontext nicht hergibt, ob es um hoch- oder herunterladen geht? Zum anderen kann es daran liegen, dass der Redakteur das Produkt vor Augen hat und es kennt und sich gar nicht erst vorstellen kann, dass eine Aussage wie "In geklapptem Zustand wird das Gerät abgesetzt" unverständlich oder mehrdeutig ist. Kontextabhängige Formulierungen ("Ersetzen Sie es mit einem neuen") oder bereits vorhandene Übersetzungen, die den Projektvorgaben widersprechen (andere Terminologie, anderer Stil), können ebenfalls zu Rückfragen führen.

Fehlende oder unklare Terminologie und Abkürzungen sind eine der häufigsten Quellen von Fragen. Was bedeutet "Einlaufaggregat" oder die Abkürzung "PSA (hier für: persönliche Schutzausrüstung)"? Soll sie übersetzt werden und falls ja wie? Ein gewisses Fachwissen darf und soll man von professionellen Übersetzern erwarten. Es gibt jedoch Sachverhalte, die entweder nur mit Insiderkenntnissen zu verstehen oder ausgebildeten Spezialisten vorbehalten sind.

Bei mehrsprachigen Projekten kann es sein, dass die Frage, die ein Übersetzer für seine Sprache gestellt hat, auch für die anderen Projektsprachen relevant ist. Die Abwicklung mehrerer Sprachen über einen Dienstleister hat zum einen den Vorteil, dass die Fragen nur einmal gestellt und beantwortet werden und zum anderen, dass eventuell damit Problemen in anderen parallel verlaufenden Übersetzungen vorgebeugt wird.

Wer regelmäßig Übersetzungsprojekte organisiert, benötigt ein Verfahren für die Auswertung der Übersetzerfragen und der Antworten. Dadurch lassen sich die Prozesse, die Dokumentation und die Arbeitsmittel nachhaltig verbessern:

  • Fragen zur Vorbereitung und zu den Abläufen liefern Material für Checklisten und Prozessoptimierungen.
  • Fragen zur Sprache und zu Formulierungen können zu Ergänzungen im Redaktionsleitfaden und Verbesserungen der Prüfroutinen führen.
  • Fragen zur Terminologie und zu den Inhalten helfen, die Dokumentation anwenderfreundlicher aufzubereiten und die Firmenterminologie zu ergänzen.

Eine Fragekultur in der Zusammenarbeit mit Übersetzern zu entwickeln ist also zum Vorteil aller Beteiligten.

Ist eine korrekte Übersetzung auch wirklich gut?

Kann eine Übersetzung korrekt und gleichzeitig doch nicht besonders gut sein? Im Gegensatz zu einem technischen Gerät, das eine genau messbare Leistung erbringt, ist eine exakte Bewertung der Sprache nur schwer möglich. Es ist kein Zufall, dass abgesehen von kurzen Sätzen kaum zwei Übersetzer dieselbe Übersetzung produzieren. Von der Kognitionswissenschaft wissen wir, dass jeder Mensch die Realität etwas unterschiedlich versteht und auf individuelle Formulierungen zurückgreift.

Die Suche nach der perfekten Übersetzung hat also viel mit persönlichen Vorlieben und Wahrnehmungen zu tun. Die Diskussion ist in Hinblick auf den Arbeitsaufwand und auf die Kosten von Übersetzungen nicht ganz sinnlos.

Es steht ja außer Frage, dass manche Übersetzungen qualitativ besser sind als andere. Was macht den Unterschied aus, ab wann lohnt es sich, den Aufwand in Hinblick auf ein gutes Übersetzungsergebnis zu betreiben?

Das Mindeste, das man von einer Übersetzung erwarten darf, ist, dass sie korrekt ist. Und "korrekt" bedeutet nicht mehr und nicht weniger, als dass die Übersetzung nicht falsch ist:

  • Der übersetzte Text entspricht der Aussage des Ausgangstexts.
  • Die Übersetzung enthält keine Fehler.
  • Die Übersetzung ist grammatikalisch richtig.

Für viele, die konkurrenzlose Preise anbieten, endet die erbrachte Leistung bereits hier. Man kann ihnen im Grunde nicht vorwerfen, dass sie eine falsche Übersetzung geliefert haben: Man versteht die Übersetzung und diese Übersetzung gibt den Sinn des Ausgangstextes wieder. Vergleicht man eine solche minimalistische Übersetzung mit einer qualitativ höherwertigen Übersetzung, fallen die Unterschiede sofort auf. Zuerst einmal bei der Fachterminologie, die recherchiert und konsistent ist und den Vorgaben bzw. den branchenüblichen fachgebietsspezifischen Termini entspricht. Aber auch in Bezug auf den Satzbau und den Stil, der weniger einer wortwörtlichen Übersetzung ähnelt, sondern vielmehr fließend formuliert ist und so wirkt, als ob der Text in der Zielsprache geschrieben worden wäre. Solche professionellen Übersetzungen sind kein Zufallsprodukt. Sie sind vielmehr das Ergebnis eines umfassenden Qualitätskonzepts, beginnend mit der Auswahl qualifizierter und erfahrener Fachübersetzer bis hin zu einer gründlichen Qualitätssicherung, ganz zu schweigen von den Nebenschauplätzen wie Terminologieaufbau, Translation-Memory- Pflege oder systematischer Projektvorbereitung.

Ganz unten auf der Skala korrekter Übersetzungen findet man die posteditierten maschinellen Übersetzungen. Besonders bei Managern oder Einkäufern, für die Übersetzungen verständlicherweise eher ein Fremdwort sind, herrscht immer wieder die Vorstellung, dass man die Übersetzungskosten deutlich senken könnte, wenn man Texte maschinell übersetzt, um sie anschließend von Lektoren oder Übersetzern korrigieren zu lassen. Im Fachjargon heißt dieses Verfahren PEMT (Post Editing of Machine Translation), für das es inzwischen einen Normentwurf (ISO-18587 standard for machine translation output post-editing) gibt.

Manche unterscheiden dabei zwischen Posteditieren "light" und "full", je nachdem, wie intensiv rein sprachliche Fehler beseitigt werden. Am Ende des Prozesses können korrekte Übersetzungen entstehen. Das Verfahren ist nicht ohne Risiko, weil viele Maschinenfehler nicht so sehr etwas mit Stil und Sprache zu tun haben, sondern vielmehr richtige Verständnisfehler beinhalten, die man nur herausfinden kann, wenn man Ausgangstext und Übersetzung miteinander vergleicht. Bei PEMT ist es nicht immer der Fall. Folgendes Beispiel veranschaulicht, was man unter "korrekt" erwarten kann.

DE Erst wenn die Maschine ganz stillsteht, darf daran gearbeitet werden.
EN (Mensch) Do not work on the machine until it has come to a standstill.
EN (PEMT) It is only when the machine is completely still that it is allowed to work.

Hier ist ersichtlich, dass die posteditierte Version keineswegs falsch ist. Die Anweisung ist verständlich und stimmt mit der deutschen Aussage überein. Der Leser wird sie jedoch als etwas seltsam empfinden, da sie relativ wörtlich bleibt und sich stark am Satzbau der Ausgangssprache orientiert. Vorwiegend für Dokumente mit niedrigem Qualitätsanspruch oder für internes Material wie Berichte vom technischen Support können sich posteditierte maschinelle Übersetzungen eignen.

Bei technischer Literatur wie Betriebsanleitungen oder Datenblättern könnte man der Meinung sein, dass es nicht so wichtig sei, wie schön ein Satz klingt, solange er nicht falsch ist und der Benutzer die Information erhält, die er braucht. In der Tat macht es wenig Sinn, den Stil eines trockenen Dokuments wie eines Reparaturleitfadens mit großem Aufwand aufzupolieren. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass Übersetzungen, die nur oberflächlich oder gar nicht geprüft werden, ungebräuchliche Fachtermini oder missverständliche Formulierungen enthalten können, ohne von den unbemerkten Übersetzungsfehlern zu reden. Dadurch entsteht die Gefahr, dass der Leser die übersetzte Information falsch versteht. Während Unternehmen auf der einen Seite viel in die Qualität ihrer Produkte investieren und auch damit werben, wirkt die mittelmäßige oder gar schlechte Qualität der Übersetzungen diesem Ziel entgegen.

Bei inhaltlichen oder stilistisch anspruchsvollen Texten wie Patenten, Verträgen oder Marketingtexten wäre eine Beschränkung auf rein korrekte Übersetzungen ein echter Fehler. Es steht zu viel auf dem Spiel, um sich leisten zu können, dass die Übersetzung alles andere als gut ist.

Sicherlich spielen Kosten überall eine Rolle und jedes Unternehmen muss wirtschaftlich arbeiten. Wenn sie ernsthaft umgesetzt werden, sind Qualitätssicherungsmaßnahmen wie die Qualifizierung von Übersetzern, der Aufbau von Terminologie oder das Prüfen von Übersetzungen nach dem Vier-Augen-Prinzip durch geeignete Lektoren ein Kostenfaktor, genau wie übrigens die Qualitätssicherungsmaßnahmen für die Produkte des Unternehmens. Diese Kosten zu sparen hat aber seinen Preis.

Übersetzungscocktail mit einem Schuss MÜ

Unternehmen und Lieferanten sind permanent auf der Suche nach Möglichkeiten, noch schneller, noch effizienter, noch kostengünstiger zu produzieren. Maschinelle Übersetzungsprogramme (MÜ-Programme), die in früheren Jahren fast ausschließlich regelbasiert waren, haben lange ein Schattendasein gefristet. Erst mit der Verbreitung statistischer Verfahren nahm die Qualität maschinell erstellter Übersetzungen deutlich zu und brachte MÜ als Produktionsalternative auf den Plan. Bis heute ist MÜ als selbstständiges Produktionsverfahren für die Übersetzung technischer Dokumentation noch verhältnismäßig wenig verbreitet. Es wird entweder zu Informationszwecken für den internen Gebrauch oder in Verbindung mit Post-Editing für die Veröffentlichung gewisser Informationen (z. B. im Bereich technischer Support oder bei stark standardisierten Informationen) verwendet.

Relativ neu ist aber die Integration von MÜ in Translation-Memory-Systeme. Maschinelles Übersetzen ist dadurch kein separater Prozess mehr, sondern erfolgt zeitgleich mit der Humanübersetzung im Übersetzungseditor. Sobald das Translation-Memory keinen passenden Vorschlag für eine Übersetzung findet, springt das integrierte maschinelle Übersetzungssystem ein und unterbreitet dem Übersetzer einen Vorschlag. Diesen Vorschlag kann der Übersetzer übernehmen oder ändern und anschließend bestätigen. Inzwischen bieten fast alle bekannten Translation-Memory-Systeme die Integration von Modulen für maschinelles Übersetzen an. Das fängt bei führenden Technologien wie SDL Studio an und endet bei kostenlosen Programmen wie Wordfast Anywhere. Die integrierten maschinellen Übersetzungsmodule sind teils eigene Entwicklungen (Beispiel SDL Language Cloud), teils öffentliche Technologien wie Google Translate.

Die frühere klare Trennung zwischen humanem und maschinellem Übersetzen ist nun nicht mehr vorhanden. Zwar sind maschinell vorgeschlagene Segmente in der Regel mit einem entsprechenden Attribut versehen, aber sie werden aufgrund des enormen Zeitdrucks oft nicht gleich vom Übersetzer oder Lektor als solche erkannt und behandelt. Dieser schleichenden Verbreitung von maschinell übersetzten oder angepassten Segmenten in Übersetzungen wurde bisher noch wenig Beachtung geschenkt, obwohl sie auf mittlere Sicht Folgen für die Qualität der Übersetzungen und Translation-Memorys hat.

Es ist also an der Zeit, Strategien für den Umgang mit maschinell übersetzten Segmenten zu entwickeln. Zuerst einmal geht es um die Vertraulichkeit der Daten. Kein Unternehmen kann ein Interesse daran haben, dass vertrauliche Informationen einfach an öffentliche Maschinen wie Google geschickt werden. Dies sollte auf jeden Fall im Vertrag zwischen Übersetzer und Auftraggeber geregelt sein.

Der nächste Punkt betrifft die Art von Fehlern, die ein maschinelles Übersetzungsprogramm macht. Auch Maschinen machen Fehler, aber sie unterscheiden sich von den Fehlern, die ein Übersetzer macht. Die maschinellen Fehler betreffen folgende Aspekte:

Stil: Die meisten angewandten MÜ-Programme sind schwerpunktmäßig statistisch basiert, auch wenn sie einige Regeln verwenden, um die Ergebnisse aus der Statistik zu optimieren. Das führt dazu, dass der Satzbau sich sehr stark am Original anlehnt. Die Übersetzungen sind nicht immer falsch, klingen aber sehr wörtlich. Beispiel:

Deutsch Humanübersetzung Maschinelle Übersetzung
In der Datei %1 im Verzeichnis %2 werden die folgenden Schlüssel benötigt: The following keys are required in the file %1 in the directory %2: in the file %1 in the directory %2 the following keys will be required:


Kontexterkennung
: Sprachen sind nicht exakt und lassen noch viel Raum für Interpretationen. Besonders bei Verben und Wörtern der Alltagssprache spielt der Zusammenhang eine große Rolle. Der Mensch erkennt diesen Zusammenhang mühelos, aber MÜ-Programme haben immer wieder ihre Schwierigkeiten damit:

Deutsch Humanübersetzung Maschinelle Übersetzung
Markieren Sie den Parameter %1. Select the parameter %1. highlight the parameter %1.


Vollständigkeit und Grammatik
: Bei statistischen Verfahren zerlegen MÜ-Programme Sätze in Wortgruppen. Für jede Wortgruppe sucht das Programm den besten Match in seiner indizierten zweisprachigen Datenbank. Es kommt durchaus vor, dass der statistisch bessere Match zusätzliche Wörter enthält bzw. dass Wörter fehlen und unter Umständen auch grammatikalisch mit den anderen gefundenen Wortgruppen nicht übereinstimmen. Dies aufzuspüren ist besonders schwer, weil die fehlenden bzw. zusätzlichen Wörter nicht sofort auffallen. Beispiel:

Deutsch Humanübersetzung Maschinelle Übersetzung
NC-Programme anpassen Adjusting NC programs NC programs
Legt den Umgang mit einem bereits vorhandenen Fragebogen des Kunden fest. Defines the handling of an already existing customer questionnaire. Specifies how to deal with an already existing questionnaires from the customer.
Englisch Humanübersetzung Maschinelle Übersetzung
After receiving a written notice of non-conformity an initial reaction from the supplier is expected within 2 working days. Nach Erhalt einer schriftlichen Mängelrüge wird vom Lieferanten eine erste Reaktion innerhalb von 2 Arbeitstagen erwartet. Nach Erhalt einer schriftlichen Mitteilung der Nichtkonformität eine erste Reaktion vom Lieferanten wird voraussichtlich innerhalb von 2 Werktagen.


Terminologie
: Man könnte zwar davon ausgehen, dass Programme bei der Verwendung einer vorgegebenen Fachterminologie besser abschneiden als ein Mensch, aber leider ist auch das nicht immer der Fall. Da statistische Verfahren die Häufigkeit der Verwendung einer bestimmten Übersetzung in den Vordergrund stellen, kann es durchaus passieren, dass in der Übersetzung ein anderer Fachbegriff vorkommt.

Deutsch Humanübersetzung Maschinelle Übersetzung
Jedes Teil wird über Messtaster in der Maschine gemessen. Every part is measured via touch probes in the machine. Each part is via the measuring probe in the machine are measured.
Messung über Messtaster in der Maschine Measuring operation via touch probes in the machine Measurement with probe in the machine
Einrichten der Messtaster Setup of the touch probes Set the probe


Wie einfach ist es, diese Fehler aufzuspüren? Qualitätssicherungstools können sie nur eingeschränkt erkennen. Solche Programme haben sich auf formelle Vergleiche (z. B. Vergleich der Zahlen oder bestimmter Fachbegriffe in der Ausgangs- und Zielsprache) spezialisiert. Wir haben es bei MÜ mit einer andersartigen "Fehlergüte" zu tun. Da viele MÜ-Fehler aber nur durch genaues Durchlesen der Texte in beiden Sprachen zu erkennen sind, hat man im Grunde keine Arbeit gespart, sondern die Arbeit vom Übersetzer auf den Lektor verlagert. Dazu kommt noch eine größere Gefahr, da MÜ-Fehler oft Sinnfehler sind. Das klingt nach einem Eigentor.

Diese Entwicklung könnte man als schleichenden Prozess der "Entmenschlichung" des Übersetzens bezeichnen. Das bedeutet, dass der Anteil an maschinell erzeugten Übersetzungen in Translation-Memorys tendenziell zunehmen wird. Es ist daher wichtig, dass Auftraggeber und Übersetzer sich darüber Gedanken machen, mit welchen Attributen diese Segmente in TMs und in Projekten gekennzeichnet werden und wie man sie effizient lektorieren kann. Hier sind Firmen und Dienstleister im Vorteil, die von Anfang an den möglichen Einsatz von Mischverfahren mit MÜ-Komponente planen, etwa durch für MÜ optimierte Ausgangstexte oder durch gezielte Prüfverfahren für maschinell übersetze Segmente.

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