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Terminologiemanagement

Wer gerade mit Terminologiearbeit anfängt, hat es nicht leicht: Benennung, Name, Konzept, Ausdruck, Bezeichnung, Begriff, Begriffskonzept, Terminus, Vokabular, Wort, Eintrag, ... Wie soll man das auseinanderhalten? Es sind alles Wörter, die zuerst mehr für Verwirrung als für Klarheit sorgen. Da Terminologiearbeit eigentlich die Zusammenarbeit von Leuten aus unterschiedlichen Bereichen voraussetzt, sind Pannen vorprogrammiert, solange die sogenannte Terminologie der Terminologie nicht von allen gleich verstanden und verwendet wird. Wie soll man also die wichtigsten Begriffe verstehen und benennen?

Einen Terminologieeintrag kann man sich wie die ineinander verschachtelten russischen Matrjoschka-Puppen vorstellen. Eine erste größere Puppe beinhaltet noch zwei weitere. Jede Puppe steht für einen bestimmten Informationsinhalt.

Die erste größere Puppe steht für den Begriff. Ein Begriff ist das, was eigentlich unabhängig von der Sprache oder vom einzelnen verwendeten Wort gemeint ist. Egal ob man Programm, Anwendung, Software oder Tool sagt, gemeint ist dieselbe Vorstellung eines Programms, das auf einem Rechner ausgeführt wird und Daten verarbeitet. Da Menschen Wörter brauchen, um über Begriffe zu reden, fällt es vielen sehr schwer, Begriffe und Wörter (eigentlich "Benennungen") auseinanderzuhalten. Es sind aber unterschiedliche „Dinge“. In der Terminologiebranche hat man sich auf das Wort Begriff als Bezeichnung geeinigt. Synonyme wie Konzept, Begriffskonzept sollten also nicht verwendet werden.

Bei Terminologieeinträgen, wie man sie aus professionellen Terminologiebeständen kennt, gibt es Informationen und Attribute, die unterschiedlichen Ebenen (unseren unterschiedlichen Matrjoschka-Puppen) zugeordnet sind. Auf Begriffsebene werden Informationen erfasst, die unabhängig von der Sprache und von der einzelnen Benennung gelten. Typische Beispiele dafür sind Definitionen oder Abbildungen.

Die nächstgrößere Puppe steht für die Sprache. Die meisten international agierenden Firmen und Organisationen bauen mehrsprachige Terminologien auf. Was für die deutsche Sprache gilt, gilt auch für Fremdsprachen. Das heißt, für einen Begriff können durchaus mehrere Wörter verwendet werden. So heißt unser gutes altes deutsches Handy im Englischen mobile phone, cell phone, cellular phone oder mobile telephone. In der Alltagssprache vieler Terminologen heißen diese fremdsprachigen Benennungen Übersetzungen. Wenn man regelmäßig übersetzt oder Übersetzungen beauftragt, ist die Verwendung des Wortes Übersetzung naheliegend und praktisch. Nach der reinen Terminologielehre jedoch sollte man nicht von Übersetzungen, sondern von Äquivalenten (akademisches Wort für "gleichwertiger Ausdruck") sprechen. Es bleibt jedem überlassen, was er für seine tägliche Arbeit verwenden möchte. Hauptsache, man legt sich auf eine einheitliche Benennung fest.

Was für die Begriffsebene gilt, gilt auch für die Sprachebene: Sie umfasst Informationen, die für alle Benennungen einer Sprache gelten. Es können Abbildungen sein, zum Beispiel wenn ein Produkt in unterschiedlichen Ländern ein unterschiedliches Aussehen hat (z. B. eine Steckdose). Es können auch Informationen für die sprachspezifische Auslegung des Begriffs sein. So mag der Begriff Frühstück überall ähnlich definiert sein, aber dessen Inhalt unterscheidet sich je nach Sprache und Kultur.

Die kleinste Puppe in unserer Sammlung steht für die Benennung.  Die Benennung ist das Wort oder eine Wortgruppe (im Englischen „phrase“), die einen Begriff bezeichnet. Man kann sich die Benennung als Etikett vorstellen, das den Namen eines Produkts nennt. Wie Etiketten auf Marmeladengläsern im Supermarkt können mehrere Wörter für dasselbe Produkt stehen: Ob Marmelade oder Konfitüre, gemeint ist dasselbe. Wenn mehr als eine Benennung für einen Begriff stehen, spricht man von Synonymen. Wenn die Synonyme nicht ganz deckungsgleich sind, spricht man von Quasi-Synonymen. Ein Beispiel dafür sind die Wörter Gefahr und Risiko. Dasselbe gilt für die Fremdsprachen. So wird unser deutsches Schwein im Englischen je nach Kontext mit pork oder pig übersetzt. Das Wort Benennung kennt mehrere Synonyme: Wort, Bezeichnung, Ausdruck. Auch hier haben sich die Terminologen auf Benennung geeinigt. Andere Alternativen sollen daher vermieden werden.

Was manche Anwender durcheinander bringt, sind Homonyme. Hier hat man für eine Benennung mehrere Bedeutungen: Läufer als Sportler oder als Bettvorlage. Das ist eine Situation, die viele aus ihrer Schulzeit kennen: Im Duden steht ein Wort und seine vielen Bedeutungen. Das nennt man benennungsorientierte Terminologie. Was für den Alltag im Privatleben durchaus nützlich ist, ist für den professionellen Einsatz als technischer Redakteur oder Übersetzer problematisch. Hier geht es vorwiegend darum, je Begriff möglichst nur eine standardisierte Benennung einzusetzen. Daher sind begriffsorientierte Terminologien sehr sinnvoll und effizient, denn sie helfen, aus der Auswahl alternativer Benennungen den Einsatz der richtigen zu steuern.

Vor allem bei der Zusammenarbeit mit Nicht-Terminologen kann es sich als sehr nützlich erweisen, vorab die wesentlichen Begriffe der Terminologiebranche zu erläutern. Die neueste Version der Norm DIN 2342 (Begriffe der Terminologielehre) liefert dazu ausführliche Definitionen und Erläuterungen.

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